Patientenombudsmann/-frau
Schleswig-Holstein e. V.
Patienten- und Pflegeberatung in Schleswig-Holstein

Dorothea Heiland

Patientenberatung in den Bereichen Ostholstein, Lübeck, Stormarn, Herzogtum-Lauenburg
Patientenombudsfrau Dorothea Heiland

Zwischen Anspruch und Forderung - Verunsicherungen im Versorgungsdschungel

 

Jahresbericht 2018 von Dorothea Heiland

 

Jan. - Mai: Nordfriesland / Schleswig-Flensburg
Juni - Dez.: Ostholstein / Stormarn / Lübeck / Herzogtum Lauenburg

Die Anfragen häufen sich und mit ihnen die Beschwerden über lange Wartezeiten, unfreundliche Behandlung in Arztpraxen und Kliniken. Dabei ist selbstverständlich immer zu berücksichtigen, dass ich am Telefon nur einseitig und subjektiv informiert werde.

Dennoch macht sich offensichtlich bemerkbar, dass Menschen für sich eine Rundumversorgung einfordern, häufig verbunden mit der Vorstellung, nach einer Behandlung wieder gänzlich gesund und beschwerdefrei zu sein. Eine solche Forderung kann selbstverständlich nicht vollständig erfüllt werden, weil natürlich jeder Eingriff, jede Verletzung körperliche Folgeerscheinungen hat.

Andererseits gibt es natürlich Einschränkungen, die durch ärztliche Fehler bzw. Fehlentscheidungen verursacht wurden. Ein Beispiel dafür mag die Geschichte von Frau H. sein.

Im März 2017 ergab eine Röntgenaufnahme keine Notwendigkeit für eine Operation am Hüftgelenk. Stattdessen bekam Frau. H. drei Spritzen. Nach der 2. Spritze zeigen sich hohe Entzündungswerte im Blutbild (Mai/Juni 2017). Daraufhin wird doch zu einer OP geraten, die die Patientin zunächst ablehnt. Schließlich wird im Dezember 2017 doch operiert, wobei ein Nerv geschädigt wird. Frau H. hat dauerhaft Schmerzen und der Hüftheber funktioniert nicht – eine Reha soll Abhilfe schaffen. Schließlich wird eine Nervenschädigung festgestellt, die nicht behandelt werden kann. Zusätzlich stellt sich noch eine Thrombose ein.

Die Patientin hat die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen eingeschaltet. Sie möchte zumindest eine Entschädigung / Schmerzensgeld. Der Orthopäde, der die Spritzen gesetzt hat, lehnt jede Haftung ab. Die Schlichtungsstelle hat das Verfahren eingestellt. Ich habe Frau H. geraten, sich mit der die Ombudsleute beratenden Anwaltskanzlei in Verbindung zu setzen. Wie gut, dass es diese Möglichkeit gibt, denn Rechtsfragen kann ich nicht klären.

Eine langwierige Geschichte, die schließlich zu einem guten Ende führte, erlebte Frau S.. Sie war lange krank geschrieben, bekam Krankengeld von ihrer Versicherung, das aber plötzlich eingestellt wurde, weil der medizinische Dienst sie „nach Papierlage“ für gesund und wieder arbeitsfähig erklärt hat. Einem Widerspruch von Frau S. wurde nicht stattgegeben, ebenso hatte eine erneute Krankschreibung durch die Hausärztin keinen Erfolg. Mehrere Telefongespräche mit der Krankenkasse und eine schriftliche Vollmacht von Frau S. führten schließlich dazu, dass ihr Fall zügig bearbeitet wurde. Letztendlich gab es sogar eine Begutachtung durch den medizinischen Dienst, und das Krankengeld wurde für vier Monate rückwirkend ausgezahlt.

Erschreckend empfinde ich die Häufung von Anrufen, die im weitesten Sinne einen psychischen Hintergrund haben. Dazu gehören Menschen, die unter Einsamkeit leiden und sich wünschen, dass ich Abhilfe schaffe. Manchmal gelingt es, die zuständige Kirchengemeinde auf die Person anzusprechen. Ob solche Kontakte zu einem guten Ende führen, erfahre ich meist nicht.

Schwieriger ist die Geschichte von Herrn S.. Er ist sehr genau über seine psychische Erkrankung informiert. Vieles resultiert, wie er meint, aus seiner schwierigen Kindheit. Auch hat er neurologische Störungen und er ist Frührentner. Sein Hausarzt verschreibt ihm regelmäßig Cannabis. Als der allerdings in Urlaub ist, leidet Herr S. unter Entzugsstress. Schwierig wird es für ihn, einen vertretenden Arzt zu finden, der ihm ein Rezept ausstellt. Schließlich gelingt das doch, allerdings im heftigen Streit. Ein Telefongespräch mit einem der Ärzte ergibt, dass Herr S. sich sehr aggressiv gezeigt hat. Herr S. ist, obwohl er am Ende zufriedengestellt wurde, so erbost über das Verhalten der Ärzte („es gibt keine Empathie mehr“), dass er sich über facebook Luft verschaffen möchte.

Als sehr hilfreich empfinde ich den Kontakt zum Büro der Bürgerbeauftragen SH, und ich hoffe, dass die vielfältigen Kontakte, die ich bei Unklarheiten mit gesetzlichen Krankenkassen vermitteln konnte, für die Patientinnen und Patienten erfolgreich endeten. Auch die Möglichkeit, eine Anwaltskanzlei für eine erste Rechtsberatung zu nennen, hat mich sehr entlastet.

 

Veröffentlichung aus dem - Tätigkeitsbericht 2018 - (Seite 11-12) des Vereins.

 
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