Patientenombudsmann/-frau
Schleswig-Holstein e. V.
Patienten- und Pflegeberatung in Schleswig-Holstein

Reinhart Pawelitzki

Patientenberatung in den Bereichen Neumünster, Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg mit Helgoland
Patientenombudsmann Reinhart Pawelitzki

Im Westen nichts Neues…

 

Jahresbericht 2018 von Reinhart Pawelitzki

 

So könnte der Titel meines diesjährigen Jahresberichts lauten, betrachtet man unvoreingenommen die Statistik von 2018 im Bereich Süd- und Westholsteins. Weder die Zahl der Fälle noch die Themenbereiche unterscheiden sich wesentlich vom Vorjahr. Sieht man davon ab, dass technisch gesehen immer mehr Menschen mit dem Handy telefonieren statt im Festnetz, wirkt alles äußerlich gleichmäßig und ohne wesentliche Spitzen.

Natürlich ist dem nicht so, zeigen doch die Anrufe wieder ein weites Spektrum an Problemstellungen, denen wir gegenüberstehen. Nicht jede Frage konnte beantwortet werden, nicht jeder Fall ein zufriedenstellendes Ergebnis verzeichnen. Dabei fiel stärker als bisher die Zahl der Anrufer mit psychischen Problemen auf, die am Telefon zu bearbeiten häufig nicht nur sehr zeitaufwendig ist, sondern bei denen die Gespräche z.T. auch mit Gesprächsabbrüchen und Beschimpfungen endeten.

Daneben werden von den Patienten oder ihren Angehörigen immer wieder gleiche oder ähnliche Themen angesprochen. Dazu gehören insbesondere Beschwerden über unfreundliches bis rüdes Verhalten von Ärzten (einschließlich Einsatz von Polizei, um die Patientin aus der Praxis zu entfernen). Auch Probleme bei Terminvergaben gehören in diesen Katalog, sei es, dass die Betreffenden über sechs Monate warten mußten oder - weil ihre Karte gerade abgelaufen war – und sie trotz eines lang verabredeten Termins nicht angenommen wurden.

Bei einem Lösungsversuch muss man sich im Gespräch natürlich auch immer wieder mit der Frage beschäftigen, inwieweit der/die Patient*in selbst für sich sorgt und wahrnimmt, dass von ihm/ihr erwartet wird, grundsätzliche Bestimmungen unseres Gesundheitssystems auch verantwortlich einzuhalten. Schnell wird von manchen eine solche Situation aus dem Moment heraus mit Verzweiflung, Ärger und Frust verbunden und der Arzt dafür verantwortlich gemacht. Die Phantasie, aus welchen Gründen Mediziner und ihre Mitarbeiter sich so verhalten wie erlebt, treibt manchmal erstaunliche Blüten. Dann wird auch ganz schnell der Wunsch nach Schadensersatz laut.

Immerhin ist es mir mehrmals im Jahr gelungen, nach Gesprächen mit dem Arzt/der Ärztin Klarheit in eine solche verfahrene Situation zu bringen und anschließend damit auch dem Patientin Einsicht zu vermitteln. Dennoch bleibt meistens ein gutes Stück Ärger, der Patienten auch zum Wechsel der Praxis veranlasst.

Neben den für manchen Patienten unverständlichen, zum Teil auch nicht nachvollziehbaren Einschränkungen des Heilmittel-Katalogs (die meisten wissen auch gar nichts von der Existenz eines solchen), gibt es offenkundige Notfälle, in denen Ärzte manchmal mit Verweis auf ihr Budget unnötig streng zu reagieren scheinen. Hier zeigt sich immer wieder die eigentlich verpflichtende, aber nicht ausreichende Information der Patienten über Gründe der Verweigerung.

Besonders auffällig ist dies immer wieder bei Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt vom Hausarzt nicht dieselben Medikamente verschrieben bekommen, die das Krankenhaus in der Nachbehandlung empfohlen hat.

Zwei kleine Fälle, die der Verdeutlichung dienen sollen:

  1. Ein Patient hat den Wohnort gewechselt. Er muss wegen seiner Krankheit Sauerstoff erhalten. Er braucht ein mobiles Sauerstoffgerät für ambulante Behandlungen. Der Patient ruft bei mir verzweifelt und angstvoll an, denn die Krankenkasse nennt ihm dafür eine Wartezeit von drei Monaten ohne nähere Erläuterung. Er aber braucht es akut. Bei meiner Nachfrage bei der Krankenkasse stellt sich heraus, dass die bisher behandelnde Klinik die erforderlichen O2-Werte noch nicht übermittelt hat und deshalb der MdK noch keine Genehmigung erteilen konnte. Durch mein Gespräch konnte der Fall in kürzester Zeit gelöst werden.

  2. Ein typischer Fall für die Situation der Arztversorgung im ländlichen Raum: Ein altes Ehepaar wohnt in einem ganz kleinen Ort in Dithmarschen, der Hausarzt ist nur mit dem Taxi erreichbar. Die Ehefrau hat nach mehreren OP‘s einen Stoma, ihre Demenz nimmt seit einem Jahr stetig zu. Der Mann weiß sich nicht mehr zu helfen und ruft mich an. Er hat bereits hin und her überlegt, wie beide zuhause wohnen bleiben könnten und er trotzdem seine Frau angemessen versorgen kann. Nach einem etwa halbstündigen Gespräch, in dem wir verschiedene Alternativen durchgesprochen haben, scheint ihm die Idee eines Umzugs nach Heide in eine Wohnung die beste Lösung, um eine adäquate Hilfe bieten zu können und auch Fachärzte und ein Krankenhaus in der Nähe zu haben. Beim Auflegen scheint er sehr entlastet zu sein.

Insgesamt wird, wie in den vergangenen Jahren, deutlich, dass sich in der Beratungsarbeit ausreichende Zeit und persönliche Zuwendung als das hilfreichste Mittel der Wahl bei Gesprächen erweist.

Wenn es auch nicht immer gelingt, eine Lösung nach den Wünschen und Erwartungen der Patienten oder ihrer Angehörigen zu erzielen, so dient unsere Tätigkeit nach meiner Erfahrung und Einschätzung doch in den meisten Fällen zur Verminderung von Angst und Unwissen, meistens auch zur Agressionsreduktion durch die Klärung von Sachverhalten.

Für rechtlich schwierige Fälle ist mit unserem Rechtsanwalt und daneben auch den Beschwerdemanagementstellen der Krankenhäuser, den AnsprechpartnerInnen in der KZVK, der Ärztekammer, der Bürgerbeauftragten des Landes und bei weitem nicht zuletzt unserer Geschäftsstelle des Vereins eine breite und solide Basis zur Hilfe und Unterstützung unserer Anruferinnen und Hilfe Suchenden gewährleistet.

 

Veröffentlichung aus dem - Tätigkeitsbericht 2018 - (Seite 6-7) des Vereins.

 
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